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release
mind the landscapes
Palestar
"Mind The Landscapes"
Format: CD
 
Mi Amante 11
Release Date: March 31, 2006
Warum lassen wir nicht die erwartbaren Basics einer Bandbio nur heute einmal beiseite? Denn wenn die einen noch sagen, mein Gott, was für eine entzückende junge Band Palestar doch ist, dann haben die adretten Schöngeister längst ein Selbstverständnis ausgebreitet, das über alles Offensichtliche immer nur zum Wesentlichen führt. Das Wesentliche ist deren Medium, ist der Song. Das war zuvor schon nahe liegend, spätestens seit die erste EP "Coming up for air" erklärte, was für eine wesentliche Band Palestar doch eigentlich sein müsste. Das Albumdebüt nun arbeitet gegen die Konjunktive. Jeder psychedelische Winkelzug, jedes hallumschmeichelte Erinnern der Rave-Era, jedes um die eigene Achse kreisende Instrumentalschauspiel ist hier in Struktur gefasst. Jeder Universalanspruch wird endlich durch Pop eingelöst. Sei es in einer epischen Inszenierung des Abwesenden wie "Berlin Is For Heroes" oder einem euphorischen Hymnus wie "Drowned In A Bathtub" - durch das so weite Spektrum dringt jederzeit die Bewusstheit, die idealen Gesten auszusuchen. Und durch alles Formale und das ästhetische Geschick dringt erst der wirkliche, der weitere und sinnliche Gestus. Die sich selbst berauschende Innerlichkeit, die sich selbst leidende Verletztheit, die sich immer auch ein wenig selbst liebende Larmoyanz. Ein durch und durch charmanter Narzissmus, eine Stimme, die glaubhaft formuliert und noch zum charismatischsten gehört, was hierzulande einmal versucht hat, das ausschließlich große Gefühl zu beleben. Ein Narzissmus, ein Charisma, ein brillantes Pathos, ein elegantes Leiden und immer wieder herrlich befreites Aufatmen - sie alle kennen die anmutigsten Formen. Sie alle sind miteinander die prächtigsten Landschaften. Denk immer daran.
 
 
reviews Blueprint Fanzine
Interrogative Verwirrung? Welche Landschaften soll man denn da beachten? Und warum? Etwa die abendkühlen seichten Gewässer im letzten Licht des Tages des instrumentalen Titeltracks, der gleich am Anfang des Albums steht? Während man noch grübelt, in welche Richtung das wohl führen soll, geht "Mind the landscapes" klammheimlich in "#1069" über. Und plötzlich fönt es dir die Haare senkrecht. Damit wir uns nicht falsch verstehen, von PALESTAR ist es nicht weit bis STARSAILOR. Nur nicht so weinerlich. Da gibt es diese COLDPLAY und RADIOHEAD (früher, nicht heute)-Momente, zum Beispiel in eben jenem "#1069". Oder man denke auch an KEANE ("Drowned in a bathtub"). Jedenfalls die ganz große Geste. Schwelgerische, aber keinesfalls schwülstige oder pathos-triefende Perlen im Breitwandformat. Irgendwann (vorzugsweise zweite Albumhälfte) leuchten auch die im Infoblatt bemühten Vergleiche mit SLOWDIVE und SPIRITUALIZED (zumindest ansatzweise) ein. Meine Damen und Herren, wir schweben im All. Oder zumindest in der oberen Stratosphäre ("Sky is the loneliest place"). Kennt man ja alles schon, könnte man jetzt sagen. Und? Mir doch egal. Hey, das hier ist richtig richtig gut und nicht etwa irgendein lauwarmer Abklatsch britischer Helden. Kommt außerdem nicht mal aus England. Nein, aus Leipzig. Und ist auch noch das Debüt, das die vier Mittzwanziger quasi fast im Alleingang nur mit Hilfe von Tonmann Brian Lieno aufgenommen haben. Respekt.
Kämen PALESTAR aus dem Mutterland des Hype, hätte der NME schon aufgeregt in die Hände geklatscht!
9/10
Karina Wolter
 
Gästeliste
Manchmal sind die Wege der Musikindustrie schier unergründlich. Da bekommt man Woche für Woche Platten auf den Tisch, von denen man hofft, sie wären nie veröffentlicht worden, andererseits finden großartige Bands kein geeignetes Label. Palestar aus Leipzig sind so ein Fall. Bereits ihre Debüt-EP "Coming Up For Air" wurde an dieser Stelle 2003 gewürdigt und schon damals war es ein Rätsel, warum keine Plattenfirma zuschlug. Mit "Mind The Landscape!" legen die vier Jungs nun nach und was soll man sagen: Sie sind erwachsen. Die Stärken des Debüts, die Frische und Begeisterung sind geblieben, die Songs jedoch bis ins Letzte ausarrangiert. Eine runde Sache! Dabei wissen Palestar die Guten auf ihrer Seite. Hier trifft Pathos a la Radiohead auf den hymnischen, typisch englischen Popentwurf, den man so vielleicht bei Embrace findet. Getragen werden die Songs dabei wie auf dem Debüt in erster Linie von Patrick Sudarskis großartigem Gesang. Wenn sich hierfür keine Plattenfirma findet, kann man seinen Glauben in die hiesige Musikbranche endgültig begraben - wenn man den denn je hatte!
Carsten Wilhelm
 
Intro
Mein Gott, ich hatte gar nicht mehr in Erinnerung, wie sehr der Sänger von Palestar nach dem von Starsailor klingt! Oder war das gar nicht immer so? Ich hatte das von den Livekonzerten und Studioaufnahmen, die ich bisher von der Band hören durfte, gar nicht mehr so stark in Erinnerung. Zum Glück ändert sich das nach ca. der Hälfte der neuen CD. Dann, für den Song "Into The Breathing", klingt er nämlich eher wie Layne Staley von Alice In Chains, Gott hab ihn selig. Und dadurch wird mir erst klar, dass diese beiden Arten zu singen ja gar nicht so weit auseinander liegen: der Grunge- und der Britpop-Style.
Interessant. Insgesamt kann man von "Mind The Landscapes", der neuen Palestar-Platte, auf jeden Fall sagen, dass sie sich um die große Geste bemüht, mit Hilfe von einer Menge Gitarren-Effekten und -Spuren, viel Hall und wenig Tempo. Und gemessen daran, dass sie ja bestimmt nicht so ein komfortables Studio wie Starsailor nutzen durften und sich mit Sicherheit auch nicht so viel Zeit wie die britischen Megaseller lassen konnten, klingt das Ergebnis sehr gekonnt. Besonders deshalb, weil Palestar die Palette der von ihnen genutzten Stilarten viel weiter fassen. Dementsprechend sind meine Lieblingssongs auf der Platte diejenigen, die auch mal mit überraschenden Wendungen um die Ecke kommen, wie das Coldplay'eske "Sky Is The Loneliest Place". Also durchaus eine gute Platte mit der Aussicht auf einiges an Aufmerksamkeit. Und Hut ab vor der Vielseitigkeit des Sängers!
Christian Steinbrink
 
IQ Style
Wer auch immer den Werbetext zu diesem Album verfasst hat, dem sei an dieser Stelle und in diesem Kontext für den wunderbaren Begriff "Instrumentalschauspiel" gedankt. Dieses bereichert Sänger Patrick Sudarski durch Gesang und die Produktion um die notwendigen Details, die das Debüt der Leipziger Band Palestar zu einem sphärischen Indie-Rockalbum von internationalem Format verschmelzen lassen.
4/5
 
Jetzt / Süddeutsche Zeitung
Manchmal ist man doch erstaunt, warum manche Bands sofort einen Plattenvertrag bekommen und andere konsequent außen vor bleiben. Palestar, ein Quartett aus Leipzig, ist eine dieser Bands, bei der man sich fragt, warum sie immer noch ungesignt ist und ihr Debütalbum selbst finanzieren und produzieren musste. Geben sie doch so schöne, schlaue Sätze von sich wie "If you look for the extreme you can only end up in between" oder "You know misery always comes on a sunny day". Warum man die Landschaften meiden soll, ist mir zwar nicht so ganz klar, aber vielleicht könnte man dann nicht mehr so herrlich in seinem Zimmer schmachten. Denn – die Zitate deuten es schon an – auf "Mind The Landscapes" wird gelitten. Mit großen Gesten, jeder Menge Britpop-Pathos à la Radiohead, James , Starsailor und Mercury Rev, übereinandergelegter Gitarren, Hall auf der Stimme, mit Pop-Hymnen wie „Drowned in A Bathtube“ und „Siberian Fog“ oder Melancholiefetzen wie „Into the Breathing“. Ob die Plattenfirmen hierzulande wohl schon mal was davon gehört haben, dass sich Britpop ganz gut verkauft?
 
Motor #1
Bereits vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle über die Band Palestar berichtet, und bezeichneten das Leipziger Quartett bei dieser Gelegenheit zu Recht als "eine der besten ungesignten Bands Deutschlands". Dieses Potenzial hat nun endlich auch eine Plattenfirma erkannt. Via 'Mi Armante' wird das Palestar-Debüt "?Mind The Landscapes!" nun auch offiziell erscheinen. "Das ist ein ganz kleines Indie-Label, ein quasi Ein-Mann-Betrieb", erklärt Palestar-Sänger Patrick Sudarski. "Der Typ, der das macht, ist ein wahnsinniger Überzeugungstäter und Musikliebhaber." Genau die richtige Basis also, um den Songs der Band endlich auf breiterer Front Gehör zu verschaffen.
Zwar hat das ursprünglich selbstproduzierte Album mittlerweile auch schon anderthalb Jahre auf dem Buckel, in dieser Zeit gingen Songs wie "Berlin Is For Heroes" jedoch nicht im Geringsten ihrer bezaubernden Kraft verlustig. Aus den Haupteinflüssen Radiohead, Mercury Rev und Artverwandtem kreieren Sudarski und seine Mitstreiter Ole Toense, Tom Hausmann und Flavio Steinbach einen ureigenes, melancholisch-flirrendes Destillat. In diesen Tagen nun spielen Palestar bereits einige Konzerte, ehe es hoffentlich im Herbst zu einer größeren Tour kommt. Und dann wird hoffentlich auch der letzte die Möglichkeit nutzen, sich von der Band in andere Sphären entführen zu lassen.
Torsten Groß
 
Motor #2
Das eigenfinanzierte Debüt-Album "?Mind The Landscapes!" der Leipziger Band Palestar klingt mit einer derart episch-melancholischen Kraft nach Unterwegssein, dass es einem mitunter fast die Kehle zuschnürt. Man kann das Quartett wohl ohne Übertreibung als eine der besten deutschen Bands ohne Plattenvertrag bezeichnen.
Zugegeben, als neulich das Palestar-Debüt bei mir auf den Tisch flatterte, hielt sich die Euphorie in vergleichsweise überschaubaren Grenzen. Irgendein kluger Mensch aus der Redaktion hatte die seit fünf Jahren aktive Truppe für unsere feine Rubrik 'Für Euch Entdeckt' vorgesehen, also musste jemand was darüber schreiben. Routinejob, dachte ich, mach ich die Tage, dachte ich. Erstmal beiseite legen. Hab dann später doch mal reingehört, fand's ganz nett und am Abend mit Palestar-Frontmann Patrick Sudarski telefoniert. Eckdaten checken. Anschließend, so war der Plan, sollte während eines weiteren Durchlaufs von '?Mind The Landscapes!' die Geschichte geschrieben werden. Hat aber dann so nicht geklappt. War zu ergriffen. Wie schaffen es drei Mittzwanziger, eine graue, relativ unspektakuläre Stadt wie Leipzig so spannend, so weit, so verzweifelt, so voller Sehnsucht und Aufbegehren klingen zu lassen? Keine Ahnung, muss noch mal Patrick anrufen.
Der hat sich "mit 16 oder 17" eine Gitarre gekauft und darauf dann so lange geübt bis sein genervter Nachbar namens Tom Hausmann vor der Wahl stand, Patrick zu erschießen oder eine Gegenoffensive zu starten. Er entschied sich glücklicherweise für letzteres, kaufte einen Bass und setzte Lärm gegen Lärm. Zur Verstärkung holte er den Gitarristen Ole Toense dazu, bald stand der Plan, eine Band zu gründen. Da man für eine solche einen Sänger braucht, klingelten die beiden einige Zeit später mal beim Verursacher des ganzen Aufruhrs. Sudarski war von der Idee begeistert, Palestar war geboren. Der erste Schlagzeuger hat sich vor kurzem eine Modelleisenbahn gekauft und wurde durch den Stuttgarter Flavio Steinbach ersetzt, der außerdem bei den in Indie-Kreisen nicht unbekannten Amis von Barbara Manning And The Go Luckies spielt.
So eine Geschichte glaubt jetzt natürlich kein Mensch, aber "genauso hat sich das tatsächlich abgespielt". Sagt Patrick. Ist ja auch wirklich mal eine kreative Art, mit nachbarschaftlicher Ruhestörung umzugehen - man stelle sich den enormen Zuwachs für die hiesige Musik-Szene vor, wenn das alle so machen würden. Jedenfalls ist das, was danach kommt, erstmal nicht mehr ganz so glamourös. Jugendzentren, Finger blutig spielen im Proberaum, erste Demos verschicken etc. - Nachwuchsbandroutine. Was indes auf diesem Wege irgendwann passiert sein muss, das ist weit mehr als die einzelnen Teile der Summe erklären könnten. Aber Magie lässt sich ja ohnehin nicht erklären. Denn genau das sind Palestar tatsächlich: magisch! Und offenbar wahnsinnig dazu: Da sich wegen der üblichen Betriebsblindheit in den Chefetagen der kontaktierten Plattenfirmen niemand fand, der sich auf das Wagnis Palestar einlassen wollte, haben die Jungs "?Mind The Landscapes!" kurzerhand selbst produziert.
Und zwar nicht auf die ich-kenn'-da-Jemanden-der-kennt- sich-mit- Pro-Tools-aus-der-kriegt-ne- Kiste-Bier-wir-machen-das-bei-mir-im-Wohnzimmer-Tour, sondern richtig mit Produzent und so im Erfurter Studio. Hat sich aber verdammt noch mal so was von gelohnt die Mühe! Denn auch wenn Songs wie '#1069', oder der bandinterne Favorit 'Berlin Is For Heroes' ("kein Anti-Berlin-Song") durchaus am Lagerfeuer bestehen könnten, ist ein opulentes Klangbild doch bei Palestar die halbe Miete. Da werden Spuren gedoppelt und Gitarren aufgetürmt, dass Sudarski vermutlich ein paar Sonderschichten im Plattenladen einlegen musste, um die Schulden bei Tonmann Brian Lieno abzutragen. Denn der ist zwar auch Live-Mischer von Palestar, aber "ein Geschäftsmann".
Gänzlich unbegründet ist jedoch Hauptsongwriter Patricks Sorge, dass "wenn man mit großen Gesten hantiert und Pathos reintut, das auf manche Leute schnell so wirkt, als wolle man sich verstecken". Das Gegenteil ist hier der Fall. Des ehemaligen Englisch-Studenten Sudarskis im Mittelpunkt stehendes verzweifelt flehendes Organ dominiert auf angenehm undeutsche Weise die herrlich-elegischen Soundscapes seiner Band, die mal an Radiohead, mal an Mercury Rev erinnern, aber über genug eigene melancholische Kraft verfügen, um ohne weitere Referenzen auszukommen. Diese Songs erzählen die Geschichte von Palestar weit treffender, als Vergleiche dies vermögen. Sie erzählen aber auch eine ganze Menge über Fehler im System, denn das diese Band ungesignt ist, wäre in einer besseren (Musik-)Welt schlicht unvorstellbar. Und auch ich habe durch die Erfahrung mit Palestar noch etwas gelernt: Dass man manchmal eben doch zweimal hinhören muss. Auch bei einer vermeintlich kleinen, ungesignten Band aus Leipzig. Danke dafür.
Übrigens: Das komplette "?Mind The Landscapes!"-Album steht unter palestar.de zum Probehören und Kaufen bereit.
Torsten Groß
 
Noize.cc
Es gibt nicht allzu viele Platten, die einen beim ersten Hören in den Bann ziehen, bei denen man spürt, dass da mehr ist als bloß aneinander gereihte Töne, bei denen Atmosphäre entsteht, die noch mehr Wachstumspotential hat. Schon mit den ersten Tönen von "?Mind The Landscapes!" wird man von einem Sog erfasst, in den man sich gerne ergibt.
Wie unverschämt langsam der Boden mit dem Titelsong für "#1069" ausgebreitet wird, ist einfach schön! Die Musik erfüllt langsam den Raum, explodiert dann plötzlich in herrliches Gitarrengewitter, fährt komplett runter und eine fragile Stimme setzt so melancholisch ein, dass einem Schauer über den Rücken laufen. Ist das eine geheime Kollaboration zwischen Mogwai und Radiohead, die sich hier austobt? Kann das auf dem Niveau überhaupt so weitergehen?
Nach so einem mächtigen Start braucht man erstmal etwas Auflockerung. Palestar sind zum Glück nicht immer nur traurig, ganz im Gegenteil, sie können auch euphorisch, erhaben ("Berlin Is For Heroes") und glücklich klingen. Wichtig ist nur, dass sie Emotionen rüberbringen. Zwar heißt es im Booklet "If you look fort he extreme you can only end up in between", doch von einem faulen Kompromiss sind diese Jungs weit entfernt. Ohne Scham baden sie in ihren Gefühlen, sind hier und da schön pathetisch, sind aber in erster Linie sie selbst. Wenn ein Song diesen Pathos braucht, bekommt er ihn eben. Fertig.
Musikalisch pendelt das Ganze zwischen schön arrangierten Indie-Pop und verzerrten Rockern. Und genau diese Mischung macht eben dieses Album aus. Hier wird auch in weinerlichen Momenten nicht blöd rumgeheult, hier wird bei den härteren Momenten nicht der stumpfe Holzhammer ausgepackt. Nein, hier wird meist die richtige Balance gehalten. Richtig gut wird es immer dann, wenn die Gitarren zum Orkan ansetzen, wenn darüber diese Zuckermelodien schweben und Palestar sich in der Musik verlieren. Spielerische Schwere.
Mit dieser Platte gehören Palestar nach ihrer EP sicherlich zu den interessantesten Entdeckungen des Jahres bislang! Würde der NME von dieser Band wissen, er würde sie lieben! Tut er aber wahrscheinlich leider nicht – denn die Jungs kommen aus Leipzig.
Won Sin
 
Plattentest.de
Schon mal ein Blind-Date mit einer Frau gehabt, die zur Feier des Tages beim ersten Mal in einem Jogginganzug aufläuft? Das muß abtörnen! Zugegeben: Der Vergleich hinkt ein wenig. Doch so ähnlich ist für uns Rezensenten manchmal jenes Gefühl, wenn eine Promo-CD einer neuen und noch recht unbekannten Band in eine häßliche Papierhülle gesteckt wird und relativ lieblos verpackt im Briefkasten landet. Man kann sich der ersten Distanz nicht erwehren. Doch weil es primär immer um Musik gehen soll und weil wir diese sowieso innig lieben, kommen wir irgendwann dann doch in den Quark. Und manchmal, so lehrt uns die Geschichte, tun wir gut daran.
Palestar. So bleich der Name, so bleich die Hülle. Was das wiederum über die Musik aussagt? Sehr wenig! Das Album "?Mind the landscapes!" der Formation aus Leipzig ist mitunter prächtig. Vier Menschen sind es nur, die diese Musik auf die Beine stellten. Dennoch ist der Sound so getragen, so dicht, daß der Hörer beizeiten eine ganzes Dutzend Protagonisten an irgendwelchen Instrumenten wähnt. Patrick Sudarski, der Sänger, hat dazu noch eine tolle Stimme. Sie paßt sich hervorragend den dramatischen Arrangements an, die da von Gitarre, Baß und Schlagzeug erzeugt werden. "#1069" ist ein solches Stück. Das grollt und rollt. Die tolle Melodie will kaum mehr aus dem Ohr. Und sie erinnern an Slut, als diese zu "Lookbook"-Zeiten noch auf dem richtigen musikalischen Trip waren. Auch bei "The worst is yet to come" kommt diese Assoziation in den Sinn.
Doch nicht immer ist es getragenes Pathos, das den Sound von Palestar ausmacht. Oft ist es auch das grollende Inferno. Ein Song wie "Motor home" klingt wie ein kleiner Ritt durch die Hölle. Immer wieder wird dieser Galopp jedoch versüßt durch hochtönige Gitarrenläufe, die sich wie ein roter Faden durch dieses Album ziehen. Bestes Beispiel: "Into the breathing", mit seinem furiosen Auftakt und diesem epischen Ende. "Berlin is for heroes" heißt dann ein schöner Song, der musikalisch der fragilste ist. Es spricht ein gewisser Trotz aus dem Titel, der dann inhaltlich in eine ganz andere Richtung führt, vom Scheitern Ludwig des XIV. berichtet. Die Band stattdessen kommt aus Sachsen. "Leipzig is for losers" fügen wir dem hinzu und verweisen gleichzeitig darauf, daß uns die kleinen Bands, die "Loser" sozusagen, eigentlich viel besser gefallen. Auch wenn sie im Falle von Palestar nicht immer die spektakulärsten sein mögen. Keine Helden, eher die netten Jungs von nebenan.
Eine Geschichte gilt es am Ende noch aufzulösen: Die mit der mangelnd adäquaten Bekleidung für das Rendezvous. Denn weil sich partout keine Plattenfirma erbarmte, dieses tolle Album zu veröffentlichen, nahmen Patrick und seine Mitstreiter die Sache eigens in die Hand, finanzierten ihren musikalischen Auftrag quasi im Alleingang. Die Belohnung haben sie sich nun selbst verschafft. Denn Palestar haben ohne Plattenvertrag ein Album gemacht, das viele andere Bands aus Deutschland selbst mit Plattenvertrag nie und nimmer so geschafft hätten. Und weil das so ist, ist uns der Jogginganzug mittlerweile scheißegal, in den diese Platte gekleidet ist. Und Du als Käufer empfängst das Date ja sowieso in einem vernünftigen Abendkleid.
Sebastian Peters
 
Sellfish.de
Beginnen wir mit einem Superlativ: Der instrumentale Opener und dessen Fusion in das unendlich tiefe, gut sechsminütige "#1069" gehören mit zum intensivsten, was die deutsche Independent-Szene in den letzten Jahren auf Band gebracht hat. Großartig, wie inspiriert das klingt. Famos, wie die Gitarrenarbeit einen in den Bann zieht. Ein leichtes Absacken im weiteren Verlauf der zwölf Tracks muss und kann man Palestar dann auch zugestehen. Schließlich machen die Leipziger auf ihrem Debütlongplayer quasi keine Fehler. Patrick Sudarski beispielsweise gelingt es, mit seinen Vocals mühelos an große britische Acts a lá Coldplay anzuknüpfen, ohne - und hier liegt der feine Unterschied - wie viele andere heimische Kollegen dabei verkrampft zu klingen. Und auch die restlichen drei Musiker ziehen gleich, stehen in ihrer niemals aufdringlichen, getragenen Spielweise und Dynamik Formationen wie Savoy Grand oder Slowdive näher als deutschen Mitstreitern. "?Mind The Landscapes!", und das ist mit der Grund warum ich diese fünfzig Minuten so in mein Herz geschlossen habe, klingt von Anfang bis Ende natürlich gewachsen. Auch deswegen, weil sich die Band stilistisch trotz der erwähnten zahlreichen Parallelen niemals als ein Klon festklopfen lässt. Vor allem, weil man gerade in den etwas ausufernden Songs jenseits Airplay-Tauglichkeit diese ganz eigentümliche Faszination atmet ("Berlin is for heroes"). Abgerundet wird das wunderbare Kleinod von einer atmosphärischen Produktion, welche das internationale Potential von Palestar nachdrücklich unterstreicht. Sehr empfehlenswert.
8/10
Michael Streitberger
 
track listing 1. Mind the Landscapes
2. #1069
3. Drowned in a Bathtub
4. Siberian Fog
5. When Language Fails
6. Motor Homes
7. Into the Breathing
8. Berlin is for Heroes
9. Sky is the Loneliest Place
10. The Worst is yet to Come
11. These Walls Might Break
12. Thought Police
 
media
MP3 Drowned In A Bathtub
 

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